Die Vinzentinerin


Vinzenz von Paul, 1581 – 1660, erkannte in seiner priesterlichen Tätigkeit die Notwendigkeit einer geordneten Armen- und Krankenpflege.
 
In Paris lernte er die Barmherzigen Brüder und ihre vorbildliche Arbeit kennen. In Zusammenarbeit mit Madame le Gras begründete er eine neue Form weiblicher Krankenpflege, die Kongregation der Barmherzigen Schwestern, die später nach ihm die Vinzentinerinnen genannt wurden.
 
Mit der Gründung der Barmherzigen Schwestern ging es Vinzenz von Paul darum, der Liebestätigkeit an kranken und armen Menschen einen geregelten und organisierten Rahmen zu geben.
Er knüpfte an die Tradition der altchristlichen, weiblichen Diakonie an: „Es sind 800 Jahre, dass die Frauen kein öffentliches Amt in der Kirche haben. Früher gab es Diakonissen, seit der Zeit Karls des Großen haben sie nach einem verborgenen Rat der Vorsehung aufgehört.“
 
Vinzenz war sich bewusst, dass der Verzicht auf die schützenden Mauern des Klosters ein großes Maß an christlichen Tugenden von seinen Schwestern erforderte.
So sagte er von ihnen: „Sie haben als Leiterin die Regel, als Kloster die Wohnung der Armen, als Zelle ein Mietszimmer, als Kapelle die Pfarrkirche, als Kreuzgang die Straßen der Stadt oder die Krankensäle, als Klausur den Gehorsam, als Gitter die Furcht Gottes und als Schleier die heilige Einfalt.“
 
Frauen, die der Kongregation beitreten wollten, mussten von achtbaren Eltern abstammen, einen „makellosen Charakter“ haben und gesund sein. Sie durften nicht älter als 28 Jahre und zuvor nicht als Dienstboten gearbeitet haben. Ferner sollten die Schwestern lesen, schreiben und rechnen können. Nach einer Zeit von 5 Jahren wurde es der Schwester gestattet, zum ersten Mal ein Gelübde abzulegen. Dieses galt nur für ein Jahr und konnte jährlich erneuert werden.
 
Die Schwestern lebten alleine oder in sogenannten Mutterhäusern zusammen und führten ein aktives religiöses Gemeinschaftsleben ohne strenge Regeln und Klausur. In der Tracht der damaligen Landmädchen arbeiteten die Barmherzigen Schwestern in den verschiedensten, später auch vertraglich übernommenen Hospitälern. Lange Zeit blieben sie der volkstümlichste Pflegeorden Frankreichs.
 
Die qualitativ hochwertige Arbeit der Schwestern sprach sich schnell herum und so blieb es nicht aus, dass Krankenhäuser bei Vinzenz von Paul und bei Madame le Gras anfragten, ob die Schwestern nicht auch in ihren Häusern arbeiten könnten.

 
Madame le Gras schloss daraufhin mit den Krankenhäusern sogenannte Mutterhaus- oder Gestellungsverträge ab, die folgende Punkte verbindlich regelten:
 
-          Die Schwestern waren der Leitung des Krankenhauses unterstellt und erhielten dort Unterkunft und Verpflegung.
-          Die Pflege lag allein in ihren Händen.
-          Den ärztlichen Anordnungen hatten sie Gehorsam zu leisten.
-          Das Krankenhaus verpflichtete sich, die Würde der Schwestern zu wahren und sie beispielsweise nicht vor Patienten zu tadeln.
-          In allen disziplinarischen und religiösen Angelegenheiten unterstanden sie der Oberin des Mutterhauses (Paris). Sie behielt sich das Recht vor, die Schwestern nach eigenem Ermessen auszutauschen.
-          Das Krankenhaus bezahlte für die Leistung der Schwestern Geld an das Mutterhaus. Die Schwestern erhielten vom Mutterhaus zur Deckung der zusätzlichen Bedürfnisse ein Taschengeld.
 
So entstanden an vielen Orten Mutterhäuser der Barmherzigen Schwestern.
Als Madame le Gras starb waren bereits 350 Schwestern an 70 Arbeitsplätzen in Frankreich und Polen beschäftigt.
 
 

Anweisung zum Anlegen des Kostüms:
 
Vinzentinerinnen – Barmherzige Schwester
 
1 Kleid
1 Unterkleid
1 Kragen
2 Stulpen
1 Schürze
1 Überhaube
1 Haube
 
 
Über das Unterkleid wird das Kleid gezogen, darauf kommt der Kragen, vorn geschlossen.
 
Die Schürze wird in Höhe der Brust angeheftet oder gesteckt, desgleichen in der Taille.
 
Die Unterhaube wird glatt um den Kopf gelegt, kein Haar schaut heraus, und wird hinten unten befestigt. Vorn werden lose Falten gelegt, die leicht festgesteckt werden können.
 
Wenn die Unterhaube gut gestärkt ist, legen sich die Falten gut.
 
Die Stulpen werden über die Unterarme gestreift und die blauen Stulpen des Kleides darüber drapiert.
 
Die Haube kann die Kopfform hervorheben, muss aber nicht aufgesetzt werden.